Fotos & Video "Peter & Paul"
"Das Versicherbare geht angesichts des Klimawandels nicht in die Unendlichkeit"

Im neuen "Peter & Paul"-Wirtschaftstalk sprechen Werner Panhauser (Vorstandsmitglied im Bereich Marketing & Vertrieb bei Helvetia Österreich) und Andreas Jäger (Meteorologe und Fernsehmoderator) u. a. über die aktuell spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, warum Versicherungen nur bedingt Risikos tragen können, wie man sich und sein Eigentum angesichts des Klimawandels "richtig" versichert und warum Renaturierung essenziell ist, um zunehmenden Naturkatastrophen entgegenzuwirken. 

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Wie verändert der Klimawandel die Versicherungen". Dabei spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Werner Panhauser (Vorstandsmitglied im Bereich Marketing & Vertrieb bei Helvetia Österreich) und Andreas Jäger (Meteorologe und Fernsehmoderator). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten der Helvetia Versicherung am Hohen Markt in Wien und somit bei einem der Gäste, der dadurch auch zum Gastgeber wurde.

Kreislauf beschleunigt

Meteorologe und Fernsehmoderator Andreas Jäger erläutert zu Beginn des Gesprächs, dass wir in Österreich und generell in Europa das Klima ein bisschen "hochgefahren" hätten. "Das heißt, die ganzen 'Umsätze' sind jetzt schneller – beispielsweise wird der Boden schneller trocken, weil es einfach wärmer ist, aber auf der anderen Seite kommt mehr Niederschlag herunter. Wir haben also diesen Kreislauf beschleunigt. Was früher vielleicht alle 100 Jahre daherkam, kommt jetzt alle 20 Jahre."

Und das würde nicht nur die Bevölkerung spüren, sondern auch die Versicherungen, die immer häufiger auftretende Schäden, beispielsweise bei Überschwemmungen, bezahlen müssen. Neben Flutkatastrophen seien aber auch die Hitze und die damit einhergehende Trockenheit ein großes Problem, so der Experte: "Wir hatten vergangenes Jahr zum Beispiel eine große Überschwemmungskatastrophe in Niederösterreich, und trotzdem musste die Hagelversicherung über den Sommer 100 Millionen Euro an Bauernbetriebe wegen Ernteausfällen bezahlen, weil es eben zu trocken war."

Aufgrund der Klimaerwärmung rechnet der Meteorologe überdies damit, dass sich der Skibetrieb zunehmend nur noch über 2.000 Metern Seehöhe abspielen und aufgrund des erhöhten Aufwands – beispielsweise durch künstliche Beschneiung – zusehends teurer werde.

"Appell ans Zusammenhalten"

Werner Panhauser ist Vorstandsmitglied im Bereich Marketing & Vertrieb bei der Helvetia Österreich, einem Versicherungsunternehmen mit etwa 1.000 Mitarbeitenden mit Sitz am Hohen Markt in Wien. Panhauser sieht seine Branche aufgrund des Klimawandels zunehmend belastet, da man als Versicherung schließlich abwägen muss, was sich zu versichern rentiert. Dementsprechend gebe es beispielsweise je einen Entschädigungsdeckel für den Inhalt eines Gebäudes und das Gebäude selbst, der sich in der Regel (je nach abgeschlossenem Produkt) zwischen 7.000 und 12.000 Euro bewege. "Und das reicht schon aus, um eine Versicherung im Falle eines Großschadensereignisses zu strapazieren."

Trotzdem bekomme er oft die Frage gestellt, warum man als Versicherung nicht 100 Prozent des Schadens begleiche. "Dann könnten wir alle Versicherungen nächste Woche zusperren", so der Helvetia-Vorstand und betont, dass es für eine stärkere finanzielle Unterstützung bei Katastrophen eine "politische Kraftanstrengung" bräuchte. So wäre beispielsweise ein System wie in Spanien oder Belgien eine Option, wo es für Krisen nationale Entschädigungsfonds gebe. Das würde sich zwar auf die Steuerzahler:innen auswirken, allerdings würde man so unabhängig von Versicherungen den Menschen in Krisensituationen finanziell besser unter die Arme greifen können. Panhauser spricht dementsprechend an die Österreicher:innen, aber auch an die künftige Regierung einen "Appell ans Zusammenhalten aus". Aber auch durchdachte Präventionskonzepte für den Krisenfall seien wichtig.

"Richtig" versichern

Bis es so weit ist und entsprechende politische Weichen gestellt werden, rät er den Bürger:innen, sich in Anbetracht der Klimakrise "richtig" zu versichern – sprich Eigenheimversicherung oder Haushaltsversicherung, Sturmversicherung und eine Versicherung, die Wasserschäden wie bei Hochwasser absichert. Wer dies heutzutage nicht macht und auf den Best-Case pokert, werde sich vermutlich eher verzocken: "Das ist so, wie wenn man mit dem Auto ohne Bremsen wegfährt und sagt: 'Es wird mir schon keiner in die Quere kommen, dass ich die Geschwindigkeit vermindern muss.' Das wird wahrscheinlich auch schiefgehen."

Zurück zur Natur

Zum Thema, was sich jetzt noch gegen die Klimakrise und deren Auswirkungen machen lässt, betont Jäger, dass es Renaturierung brauche. "Was wir in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten unter anderem gemacht haben, ist, die Flüsse einzuzäunen. Dadurch ist viel Platz entstanden, auf dem wir uns ausgebreitet haben, was wahnsinnig praktisch war." Das begünstige jedoch Hochwasservorkommnisse, weil die Flussbetten einfach weniger Spielraum für den Fall von Niederschlägen bieten. Dementsprechend sei die Idee der Renaturierung, gewisse Räume wieder freizugeben, um Platz für die Natur zu schaffen. Da werde man, so der Experte, nicht drum herumkommen.

Zudem werde man nicht alles versichern können, weil dieses hohe Risiko irgendwann vielleicht gar nicht mehr versicherbar ist: "Das Versicherbare geht ja schließlich nicht in die Unendlichkeit." Dementsprechend müsse sich die Menschheit genauso anpassen, wie sie das auch schon früher getan hat.

Was Werner Panhauser und Andreas Jäger zum Thema "Wie verändert der Klimawandel die Versicherungen" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal zur A1 Kitz Night.

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.helvetia.at

www.andreasjaeger.at

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