Skurriler Erlass
Italienischer Bürgermeister verbietet Bevölkerung das Kranksein

| Larissa Bilovits 
| 07.01.2025

Die überwiegend alten Einwohner:innen des Dorfes Belcastro wurden schriftlich angewiesen, "jede Krankheit zu vermeiden". Was tatsächlich hinter dieser skurrilen Verordnung steckt, gibt zu bedenken.

Im süditalienischen Dorf Belcastro ist das Kranksein nun offiziell verboten. Was sich durchaus skurril anhört, hat der örtliche Bürgermeister Antonio Torchia tatsächlich für seine 1.300-Seelen-Gemeinde erlassen. So wurde die Bevölkerung, die mehrheitlich älteren Jahrgängen angehört, schriftlich angewiesen, "jede Krankheit zu vermeiden, die einen medizinischen Eingriff erfordert, insbesondere in Notfällen, und sich so viel wie möglich auszuruhen".

Das Problem, das hinter dieser unsinnig klingenden Verordnung steht, ist allerdings durchaus ernst: Die Gesundheitsversorgung der Gemeinde kann schlichtweg nicht mehr gewährleistet werden. So gibt es in Belcastro nicht einmal mehr einen ärztlichen Bereitschaftsdienst und das nächste Krankenhaus ist satte 45 Kilometer entfernt.

Natürlich kann der Bürgermeister den Einwohner:innen aber nicht wirklich verbieten, krank zu werden – immerhin sucht man sich das Kranksein ja nicht aus. Vielmehr sei der Erlass als "ironische Provokation" zu verstehen, wie Torchia selbst erklärt. Er wolle damit auf die mangelnde Gesundheitsversorgung aufmerksam machen. "Ich muss sagen, dass meine Anordnung mehr Wirkung zeigt als die dutzenden Briefe, die ich bisher an die Gesundheitsbehörde der Provinz und an die Präfektur geschickt habe", resümiert der Bürgermeister und hofft, dass er mit seiner ungewöhnlichen Idee die Politik wachrütteln konnte.

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