AKV Jahresstatistik
2024 gab es pro Monat 564 Firmenpleiten

In der Insolvenzstatistik 2024 sind unter anderem die größten Pleiten in Bezug auf betroffene Mitarbeiter:innen und Höhe der Verbindlichkeiten aufgelistet. Besorgniserregend ist der starke Anstieg zum Jahresende.

Rezession, eine anhaltende Industriekrise, gestiegene Material-, Energie- und Lohnkosten, eine steigende Arbeitslosigkeit, eine schrumpfende Wirtschaftsleistung, eine zunehmende Kaufzurückhaltung bei Konsumgütern und Immobilien haben auch am Insolvenzsektor Spuren hinterlassen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass die Insolvenzahlen 2024 stark gestiegen sind.

Historischer Rekordwert

Anfang Dezember hat der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) rund um Hans Musser, geschäftsführender Direktor Alpenländischer Kreditorenverband und Cornelia Wesenauer, Mitglied der AKV-Geschäftsleitung, -Pressesprecherin und -Datenschutzbeauftragte, seine Insolvenzstatistik 2024 bis inklusive November veröffentlicht (LEADERSNET berichtete). Am Montag wurde nun die Statistik für das ganze Jahr vorgestellt.

Infolge der erwähnten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat 2024 ein Rekordpleitenjahr an eröffneten Firmeninsolvenzen gebracht, wobei die Eröffnungen über dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008 liegen. Auch im Bereich der Passiva wurde mit 19,5 Milliarden Euro ein historischer Rekordwert erreicht.

4.156 eröffneten Firmeninsolvenzen

Österreich hat mit 4.156 eröffneten Firmeninsolvenzen einen historischen Höchstwert erreicht und liegt daher im Bereich der eröffneten Verfahren auch weit über den Zahlen der Finanzkrise 2007/2008, nachdem 2007 knapp über 3.000 Firmeninsolvenzen eröffnet wurden und in den beiden Folgejahren circa 3.250 (2008) und circa 3.700 (2009). Die Eröffnungen im letzten Quartal 2024 sind dazu massiv gestiegen.

Im Monatsdurchschnitt wurden 2024 über das Vermögen von 346 Unternehmen Insolvenzverfahren eröffnet. Dieser Aufgliederung lässt sich entnehmen, dass bereits bis September des vergangenen Jahres mehr Firmeninsolvenzen eröffnet wurden als in den Gesamtjahren 2018 (2.981) und 2019 (3.045). Bereits im Oktober 2024 wurde der bisherige Höchstwert an eröffneten Firmeninsolvenzen aus dem Gesamtjahr 2023 mit 3.369 überschritten. Die eröffneten Firmeninsolvenzen sind im Jahr 2024 gegenüber dem Jahr 2023 um + 23,36 Prozent auf 4.156 Verfahren gestiegen.

Auch die Verfahrensabweisungen mangels Masse haben im letzten Jahr um ein Fünftel +20,81 Prozent drastisch zugenommen, nachdem 2.612 Insolvenzanträge abgewiesen wurden, weil kein kostendeckendes Vermögen vorhanden war.

Entwicklung nach Bundesländern

In Kärnten gab es mit + 55,71 Prozent den größten Anstieg. Danach folgt das Burgenland mit + 40,71 Prozent. Die meisten Verfahren, nämlich 1.518, wurden beim HG Wien eröffnet und auch in Wien beträgt die Steigungsrate + 28,21 Prozent. In Oberösterreich betrug der Anstieg + 28,33 Prozent, in Tirol + 23,81 Prozent, in Vorarlberg + 23,46 Prozent, in der Steiermark + 22,33 Prozent, in Salzburg + 20,81 Prozent. Den geringsten Anstieg verzeichnete Niederösterreich mit + 4,43 Prozent.

Gefährdete Arbeitsplätze

Das AMS veröffentlichte Anfang des Jahres die Arbeitslosenzahlen. Vor dem Hintergrund des Anstiegs von Insolvenzen ist es daher nicht unerwartet, dass auch die Anzahl der von den eröffneten Firmeninsolvenzen betroffenen Dienstnehmer:innen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Waren es 2023 19.138, so ist die Zahl 2024 auf 22.887 gestiegen. Die Insolvenzeröffnungen Leiner & kika Möbelhandels GmbH vom 14. November 2024 (LEADERSNET berichtete) und KTM AG samt ihrer beiden Tochtergesellschaften vom 29. November 2024 (LEADERSNET berichtete und LEADERSNET berichtete) zählen zu den historisch größten Firmenpleiten aus Sicht der betroffenen Dienstnehmer:innen. Dabei nimmt die KTM-Gruppe in der Historie den vierten Platz mit 3.623 ein. Davor befinden sich Konsum (1995) mit 22.000, Maculan Gruppe (1996) mit 10.000 und die Alpine Bau GmbH (2013) mit 4.900 Dienstnehmer:innen.

2024 haben nach der KTM-Gruppe, Leiner & kika Möbelhandels GmbH (1.350), Pepco Austria GmbH (600) und die Brucha Gesellschaft m.b.H. (504), die meisten betroffenen Dienstnehmer:innen.

Top 5 Insolvenzen Österreich 2024 nach Dienstnehmerinnen © AKV

Gesamtpassiva der eröffneten Unternehmensinsolvenzen

Im Jahr 2023 haben die ersten Signa-Insolvenzen zu Passiva mit historischen Höchstwerten in der Höhe von circa 14 Milliarden geführt, wobei sich dieser Wert nachträglich sogar infolge der Forderungsanmeldungen von Gläubiger:innen erhöht hat. Bei den drei Signa Gesellschaften, die 2023 eröffneten wurden, geht der Alpenländische Kreditorenverband von folgenden Passiva aus:

  • Signa Prime Selection AG mit 5,9 Milliarden Euro
  • Signa Holding GmbH mit fünf Milliarden Euro und
  • Signa Development Selection AG mit 1,9 Milliarden Euro.

Im Jahr 2024 sind es hingegen bereits fünf Fälle mit Passiva in Milliardenhöhe, wie die nachstehende Tabelle zeigt:


Insolvenzen nach Passiva 2024 © AKV

Es handelt sich hierbei nicht nur um Insolvenzfälle rund um die Signa-Gruppe, sondern auch um zwei Industriebetriebe. Es zeigt sich daher, dass die Milliardenpleiten auch auf andere Branchen übergegriffen haben. Mit der Insolvenzeröffnung über das Vermögen der European American Investment Bank Aktiengesellschaft liegt seit 2020 mit der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG wiederum eine Bankeninsolvenz vor. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass auch in diesem Segment 2024 ein historischer Höchstwert erreicht wurde. Nach der Korrektur der Passiva für das Jahr 2023 zeigt sich, dass die Passiva 2023 bei 16.747.003.000 Milliarden Euro und die Passiva 2024 bei 19.550.757.000 Milliarden Euro lag. Laut dem AKV ist sämtlichen Großinsolvenzen gemein, dass sich die tatsächliche Höhe der Verbindlichkeiten noch nicht abschätzen lässt.

Entwicklung nach Branchen

2024 verzeichnete der Handel mit 1.047 Insolvenzen die meisten Pleiten. Danach folgen der Bau mit 919 und der Gastronomie mit 713 Insolvenzen.

Ausblick Firmeninsolvenzen

Die Situation in Österreich ist weiterhin sehr kritisch und die Rezession hält weiter hartnäckig an und führte nicht nur dazu, dass es im Oktober und November zur Eröffnung mehrerer Großinsolvenzen mit Leiner & kika Möbelhandels GmbH und KTM-Gruppe kam, sondern es mussten auch viele Klein- und Mittelunternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit eingestehen.
Die Produktions- und Investitionsrückgänge in der Immobilienkrise haben laut den AKV Ausführungen wie befürchtet auf den Handels- und Industriesektor übertragen. Durch die hohe Verunsicherung ist die Auftragslage in der Industrie weiterhin schwach und führt zu überfüllten Lagern und zum Wegfall von Arbeitsplätzen. Die daraus resultierende Unsicherheit am Arbeitsmarkt führt wiederum zu einem zurückhaltenden Konsumverhalten und zu einer sich beschleunigenden Wirtschaftskrise.

Diese wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben die AKV Prognosen entsprechend im Jahr 2024 zu 6.768 Firmeninsolvenzen (Summe der Eröffnungen und Abweisungsbeschlüsse) geführt. Die nach unten revidierten Wirtschaftsprognosen werden sich weiterhin in den nächsten Monaten in der Insolvenzstatistik widerspiegeln. Daher rechnet der AKV mit einer gleichbleibenden Entwicklung, zumindest bis zur Jahresmitte 2025.

www.akv.at

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