Klimaschutz ist längst nicht nur eine Option, sondern eine Pflicht für die Wirtschaft – die Zeit zu handeln ist jetzt. Während in der politischen und medialen Debatte rund um ESG oft viel heiße Luft produziert wird, zeigte sich am 20. und 21. März beim Austrian Sustainability Summit in der Imperial Riding School Vienna eine andere Realität: Zum bereits fünften Mal lud Business Circle zur Nachhaltigkeitskonferenz, bei der man die aktuellen Entwicklungen nicht nur diskutierte, sondern sich den Herausforderungen auch stellte.
Gemeinsam Veränderung bewirken
Beim Summit zeigte sich deutlich, dass die aktuellen Zahlen keinen Zweifel lassen: Österreich befindet sich in der längsten wirtschaftlichen Flaute seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit drei Jahren steckt das Land in einer tiefgreifenden Krise, die den Wohlstand spürbar untergräbt. Investitionen gehen zurück, während die Preise kontinuierlich steigen – eine gefährliche Mischung, die wirtschaftliches Wachstum hemmt und Zukunftsperspektiven schmälert. Zwar verzeichnen wir sinkende Emissionen, doch das ist kein Ausdruck erfolgreicher Klimapolitik, sondern eine Folge der schrumpfenden Wirtschaft: Was auf den ersten Blick positiv wirken mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ernstzunehmendes Warnsignal. Dabei verliere man wertvolle Zeit, was gleich in einer Vielzahl fehlgeleiteter Ansätze gründet, wie Gabriel Felbermayr (WIFO) zu Beginn in seinem Faktencheck der volkswirtschaftlichen Lage aufzeigte.
Um sich darüber auszutauschen und Best-Practice-Beispiele branchenübergreifend zu teilen, wurde der Summit ins Leben gerufen. Moritz Mirascija (Geschäftsführer Business Circle, Bereich Legal, Compliance & ESG), meint dazu gegenüber LEADERSNET.tv: "Für uns wie auch für Stakeholder:innen aus Industrie, KMU, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft ist dies eine Plattform von großer Bedeutung. Sie ist der einzige Ort, an dem einmal im Jahr alle Akteur:innen zusammenkommen, um praxisrelevante Fragen zu diskutieren und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten."
Warum Nachhaltigkeit mehr als "grün sein" bedeutet
Mit der unternehmerischen Realität beschäftigte sich dementsprechend auch eine von Gabriela-Maria Straka (RespAct) geleitete Panel-Diskussion mit Natalie Christof (Christof Industries), Reinhard Karl (Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG), Ralf Mittermayr (Saubermacher Dienstleistungs AG), Peter Sattler (Horváth) und Christian Schäfer (Laufen Austria). Im Zuge der Debatte wurde festgehalten, dass Nachhaltigkeitskennzahlen im Reporting inzwischen genauso relevant sei wie klassische Finanzkennzahlen. Geschäftsmodelle müssen angepasst werden – nicht nur für bewusste Konsument:innen, sondern auch, um Talente zu gewinnen. Das gelinge nur mit breiter Einbindung des Teams und gezielter Bewusstseinsbildung. Förderungen würden dabei eine zentrale Rolle spielen, um nachhaltige Innovation in Österreich zu sichern.
Beim effizienten und nachhaltigen Wirtschaften geht es aber nicht nur darum, "grün" zu sein – vielmehr entsteht dadurch ein echter Wettbewerbsvorteil für die heimischen Unternehmen. Damit beschäftigten sich auch zahlreiche Vorträge im Rahmen des Summits. So betonten etwa Eva-Maria Ségur-Cabanac (Baker McKenzie) und Christine Catasta (ÖBAG), dass sich aus ESG zahlreiche strategische Chancen ergeben würden, etwa für die Reputation, die Wettbewerbsfähigkeit und die Talentgewinnung. Dabei seien klare Kommunikation, frühzeitige Vorbereitung, Integration von ESG-Zielen in die Gesamtstrategie und ein glaubwürdiges "Tone from the Top" essenziell.
Und auch Dirigent und Musikproduzent Christian Gansch überzeugte mit seiner Keynote, in der er Unternehmen mit einem Orchester verglich: viele Stimmen, ein gemeinsames Ziel. Zudem brauche man beim Thema Nachhaltigkeit, ebenso wie ein Komponist mit seiner Musik, Beharrlichkeit. Dazu passten auch die musikalischen Höhepunkte des Konferenztages, etwa Brahms' erste Sinfonie und das 3. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach.
Gemeinsam Großes bewirken
Eine regionale Sichtweise brachte Winzer und Unternehmer Willi Bründlmayer ein: Der Klimawandel stelle die Landwirtschaft zwar vor neue Herausforderungen, doch durch vorausschauendes Handeln, Bodenverbesserung, Biodiversität und klimaresistente Bepflanzung könne auch ein kleines Unternehmen lokal wirksam Resilienz schaffen.
Jürgen Bauer, Member of the Board Gebrüder Weiss, betonte anschließend die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Liefertreue im Transportsektor: Grüne Technologien wie Wasserstoff- und Elektro-Lkws seien noch zu teuer, und nachhaltige Lösungen würden oft an wirtschaftliche Grenzen stoßen, wenn Kund:innen nicht bereit sind, die Mehrkosten mitzutragen.
Die Bedeutung interner Nachhaltigkeit hob Mark van Loon von Wienerberger hervor und verwies auf die lange Tradition des Unternehmens, den Fokus auf energieeffiziente Gebäude und die Notwendigkeit innovativer, recycelbarer Materialien – wobei KI unterstütze, aber menschliche Kreativität unersetzlich bleibe.
Perspektivenwechsel "hin zur Zuversicht" notwendig
Im "Changemaker Pitch-Forum" wurden schließlich von innovative Geschäftsmodelle vorgestellt, darunter etwa Treely (Christian Lutz), das den Wald als Wirtschaftsfaktor nutzt, osapiens (Valerie Kranabatter), das als Softwarelösung automatisiertes ESG-Reporting entlang der Lieferkette ermöglicht, und EcoNetix (Paul Nimmerfall) für globales CO₂-Asset-Management.
Abschließend lud Moderatorin Franziska Graf noch Daniel-Sebastian Mühlbach (Österreichische Post), Katharina Rogenhofer (Kontext Institut), Maria Kollar (ÖGW), Jasmin Duregger (Greenpeace) und Katharina Häckl-Schinkinger (Caritas) zur Panel-Diskussion. Dabei zeigte sich, dass Klimaschutz mehr sei als CO₂-Reduktion – sauberes Wasser, gute Luft und lebenswerte Städte seien eigenständige Ziele. Ein Perspektivwechsel hin zu Zuversicht sei nötig, klare Steuerung statt Stop-and-Go-Politik entscheidend. Maßnahmen müssten sozial gerecht sein – und Neues dürfe sich auch mal ungewohnt anfühlen.
Unsere Interviewpartner:innen
Neben Moritz Mirascija (Geschäftsführer Business Circle, Bereich Legal, Compliance & ESG) holte LEADERSNET.tv auch noch Gabriel Felbermayr (Direktor, WIFO & Universitätsprofessor, WU), Gabriela-Maria Straka (Vorstandsmitglied & Landesvorsitzende OÖ, respACT), Christian Schäfer (Vorstand, Laufen Austria), Christine Catasta (Aufsichtsrätin & Director - Head of Investment Management, ÖBAG), Andrea Edelmann (Head of Innovation, Sustainability & Environmental Affairs, EVN), Reinhard Karl (Vorstandsdirektor, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien), Andreas W. Streit (Head of Division Sustainability, Rewe International/Billa AG), Ralf Mittermayr (CEO, Saubermacher Dienstleistungs AG), Peter Sattler (Principal, Horváth), Ruth Moss (Head of Sustainibility, Crif Österreich), Felix Mayr (Bereichsleiter, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien), Eva-Maria Ségur-Cabanac (Partnerin Corporate & ESG, Baker McKenzie), Ralf Düssel (Senior Vice President & Head of Sustainability, Evonik Industries AG), Catharina Ahmadi (GF, Environomics), Timo Gossler (Partner & Head of Sustainability Services, Grant Thornton Austria), Katharina Schönauer (Partnerin & Head of ESG, KPMG), Sanela Terko (Steuerberaterin & Partnerin, BDO), Annette Scheckmann (Vorstand, Strabag AG), Christoph Stieg (Gründer & CFO, Perfact Consulting GmbH), Michael Dessulemoustier-Bovekercke (GF & Partner, Forvis Mazars), Philipp Gaggl (Director & Leiter ESG Beratung, PwC Österreich), Stephan A. Jansen (Professor für Management, Innovation & Finance, Karlshochschule Karlsruhe) und Natalie Christof (Miteigentümerin & Director of Corporate Affairs & ESG Verantwortliche, Christof Industries GmbH) vor die Kamera.
Der 6. Austrian Sustainability Summit ist bereits in Planung und soll am 26. und 27. März 2026 stattfinden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
Eindrücke vom diesjährigen Summit finden Sie in der Galerie.
www.businesscircle.at
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